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Geflüchtete in Griechenland

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in English:
https://clauskittsteiner.wordpress.com/2019/12/25/4/comment-page-1/#comment-3

 

Link zum Infoblatt (Druckversion):

„Solidaritätsarbeit mit Geflüchteten auf Lesbos“

 

Fotos: Claus Kittsteiner (2015-2020)

 

In meinen Händen eine der vielen ‚Rettungs’westen für Kinder, angeschwemmt an der Küste von Lesbos.
Im Hintergrund das türkische Ufer in ca. 10 km Entfernung (2015)
Was passierte mit diesen Menschen nachts auf rauher See vor Lesbos?
Letzte Ruhestätte für Menschen, die die Überfahrt nach Europa im Schlauchboot nicht schaffen konnten. Viele Ertrunkene, auch Kinder, werden namenlos beerdigt. Ihre Verwandten wissen nichts über deren Verbleib.
Bomben zerstörten ihr Haus in Aleppo. Mit dem Schlauchboot übers Meer geflüchtet, nun im Camp Moria ohne Dach über dem Kopf auf dem blanken Erdboden eng zusammengedrängt. Fotografiert kurz vor einem heftigen Wolkenbruch.

Protestaktion beim Camp Moria gegen die Perspektivlosigkeit auch durch den EU-Türkei-Deal im März 2016: „Wir sind menschliche Wesen (wie Ihr)“.
Mit jungen Geflüchteten aus Syrien im Welcommen Hostel in Athen-Exarchia. (2019)
Musikunterricht gegen Gefühle der Hoffnungslosigkeit, Traumatisierung und Depressionen.

Solidaritätsarbeit

mit Geflüchteten auf Lesbos

Von Claus Kittsteiner

‚Volunteers for Lesbos’

Humanitäre Hilfe für Geflüchtete ist Solidaritätsarbeit für Menschen, die sich wegen ihrer Existenznöte, politischer Verfolgung und als Kriegsgeschädigte auf den Weg zu uns machen. Menschen, die in fragilen Booten auf Lesbos und auf anderen griechischen Inseln aus der Türkei ankommen aus durch Bomben und Krieg zerstörten syrischen Städten, aber auch aus Regionen und Ländern, die sich wegen geostrategischen und internen Machtkämpfen grundlegend verändern – durch die Konkurrenzkämpfe um Einflusszonen in Nahost und durch unseren Hunger nach Energie und die damit zusammenhängenden Kriege in den letzten Jahrzehnten, unterstützt von unseren Waffenlieferungen. Die betroffene Bevölkerung wird dabei nie gefragt, die Erträglichkeit ihrer schlimmen Lebensbedingungen und die zahllosen Getöteten gehören nicht zu den Berechnungsfaktoren der Wirtschaftsmächtigen und der kriegsführenden Akteure, ebensowenig wie die schlimmen Zukunftsfolgen der Kriege.
So folgen nun viele Migranten nicht nur der Spur ihres Öls nach Europa, auch von den afrikanischen Küsten kommen viele übers Mittelmeer. Sie folgen der Spur ihrer Fische, ihrer von den Schleppnetzen der ausländischen Fischfangflotten rücksichtslos und massenhaft weggefischten Lebensgrundlage – ein z.T. über EU-Gelder subventionierter Vorgang! Ungleiche Handelsbedingungen, Billig-Exporte, Zerstörung gewachsener Wirtschaftsstrukturen, zunehmender Wassermangel und Klimaveränderungen, all das sind Ursachen, weshalb die ihrer Wirtschaftsbasis Beraubten – bei uns dann zynisch als „Wirtschaftsflüchtlinge“ diskriminiert – sich unter Todesgefahr auf den Weg nach Norden begeben in der Hoffnung, sich und ihre Familien in den Herkunftsländern mit Billigjobs am Leben erhalten zu können.
Hilfswillige aus aller Welt kehren an den europäischen Außenküsten meist ehrenamtlich die Scherben von gescheiterter und zynischer Politik zusammen, während reiche EU-Staaten das Problem verdrängen und es so seit Jahren ärmeren Ländern wie Griechenland aufzwingen. Regierungen in der EU verweigern Asylsuchenden die Weiterreise mit vielfachen Ausreden, auch ängstlich fixiert auf Wählerumfragen. Und sie schämen sich nicht. Hin und wieder zeigt sich ein Politiker vor den Kameras, klagt über das Gesehene, lobt die Arbeit der Freiwilligen und verschwindet nach salbungsvollen, folgenlosen Worten. Das menschenunwürdige Leben in den Lagern geht weiter, auf unbestimmte Dauer.
Humanitäre Bekundungen nicht nur im Munde zu führen, sondern sie umzusetzen anstelle einer inhumanen und todbringenden Politik fordern wir Helfenden vor Ort. An den Stränden von Lesbos landen – wie in den Jahren zuvor und, wie es heißt, auch weiterhin in den kommenden Jahren – mit Flüchtenden voll besetzte Schlauchboote, aus der Türkei übersetzend – in allen Jahreszeiten, im heißen trockenen Sommer, im stürmischen Herbst, im kalten Winter um null Grad, die Menschen durchgefroren, durchnässt, krank, nach lebensgefährlicher Überfahrt bei Wind und Wellen aufgelöst weinend, schockiert schweigend, traumatisiert.
Seit Jahren kümmern sich auch unsere Freiwilligen vor Ort um die existentielle Versorgung der Flüchtenden. Wenn wir die Hilflosen empfangen, sie mit trockener Bekleidung, Schuhen, Wasser etc. erstversorgen, dann haben wir situationsbedingt erst einmal alles andere zu tun als über Ursachen oder Lösungen zu diskutieren, auf kleingeistigen Nationalismus, dumpfe Fremdenfeindlichkeit, offenen Rassismus und blinden Hass einzugehen. Die Menschen sind einfach da, sie stehen mit ihren Kindern mit flehenden Augen vor uns, sie sind in Not, durchnässt, frierend und durstig, ihnen muss geholfen werden, medizinisch, juristisch, psychologisch und mehr. Alles andere wäre in höchstem Maße unmenschlich!
Der Bürgermeister der Hauptstadt von Lesbos fragt immer wieder, warum denn die Flüchtenden mit ihren Kindern nicht sicher über die Fähren von der Türkei übersetzen dürfen, um Asyl beantragen zu können. Er fragt das in Anbetracht der vielen Ertrunkenen, darunter auch sehr viele Kinder.

Nach einem Augenzeugenbericht:
Ägäis, nachts. Ein türkisches Küstenwachboot sucht nach ‚Illegalen’. Nicht weit davon in der Finsternis versteckt: Ein mit Flüchtenden überladenes Schlauchboot, kein Licht, keine Motorgeräusche, um nicht entdeckt zu werden. Da beginnt ein Kleinkind laut zu weinen. Der Schleuser ergreift das Kind, zu hören ist nur der Aufschlag im Meer. Stille. Die Küstenwache dreht ab. Weiter geht die nächtliche Fahrt zur Festung Europa.

 

Verein „Respekt für Griechenland e.V.“

Die Homepage mit allen Projekten von RfG e.V. :

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Alle Projekte von RfG e.V werden allein durch Spenden finanziert.

Allgemeines Spendenkonto von RfG e.V.:

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Fotos und mehr: >>>>>> https://volunteersforlesvos.wordpress.com/  

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Spendenkonto spez. für die „Zelt-Paten“-Aktion:

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Kto.-Inhaber: Respekt für Griechenland e.V.
Kontakt zur Aktion: Claus.Kittsteiner[at]gmx.de ********************************************

Mehr Information zum Thema Griechenland, Geflüchtete etc. siehe bei https://griechenlandsoli.com/

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Ein Hilferuf aus dem Flüchtlingslager Moria auf Lesbos

Video: Parwana (15), eine geflüchtete junge Frau aus Afghanistan beschreibt das Überleben im Moria-Camp auf Lesbos (engl.):

https://video.tagesspiegel.de/verzweiflung-im-fluchtlingslager-moria-lesbos-griechenland.html

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Ägäis-Inseln 2020: Europas Schande

Zahl der festsitzenden Geflüchteten höher als 2015.

https://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article149236012/Leserbriefe.html

Leserbrief von Claus Kittsteiner, Mytilini/Lesbos   Veröffentlicht am 24.11.2015 |  

Tägliches Chaos

Zu: „Zahl der Flüchtlinge steigt auch im Winter“ vom 23. November

Hier auf Lesbos nimmt die Dramatik zu bei den jetzt einsetzenden Winterstürmen in der Ägäis. Die Schlauchboot-Überfahrten von der türkischen Küste werden zu einem noch größeren Risiko für Flüchtende. Die Fahrt ins Ungewisse wird damit billiger als die üblichen 1000 bis 2000 Euro für ein Gutwetter-Ticket der Schlepper und ihrer Hintermänner. Auch die Ärmeren werden sich nun die Fahrt zu uns leisten können. Schwimmen können die meisten nicht. Neulich ertranken nach dem Kentern eines Holzbootes 33 Menschen, meist Mütter mit Kindern, gefangen im Unterdeck. Eines der zahllosen furchtbaren Beispiele nur von vielen!

Seit Anfang November pendle ich zwischen der Hauptstadt Mytilini, dem gefängnisähnlichen sogenannten Hotspot Moria, dem Syrer-Camp Kara Tepe und der Nordküste von Lesbos, wo wir vorgestern bei noch gutem Wetter an nur einer von vielen Stellen an der Küste fast gleichzeitig zehn Schlauchboote mit 300 Geflüchteten empfingen. Die durchnässten, frierend-zitternden Menschen vom Baby bis zu den Großeltern neu einzukleiden und zu versorgen, sie angesichts der Traumatisierung durch persönliche Zuwendung zu beruhigen, vor allem die vielen weinenden Kinder zu trösten, das ist einer der sich täglich bis nachts wiederholenden Inhalte des bis zu zehn Stunden dauernden Einsatzes von Freiwilligen. Ob wir nun Hilfe für Kriegsflüchtlinge im Ausland oder in Deutschland leisten, klar ist uns dabei stets: All das ist u.a. das Resultat der Politik eben nicht nur der „Anderen“ – es ist eine durch die allerorts, auch hier, beteiligten Interessengruppen mitverursachte, kaum zu beschreibende, nicht entschuldbare humanitäre Katastrophe – ohne sichtbares Ende.

Claus Kittsteiner, Mytilini/Lesbos, November 2015

Fünf Jahre später (2020):

Auf den Inseln Chios, Lesbos, Samos, Leros und Kos leben im Januar 2020 nach offiziellen Angaben mehr als 42.000 Migranten. Noch im April 2019 waren es 14.000.

Dazu der Leserbrief von Geert Platner:

Die Lage auf Lesbos ist unvorstellbar, das Elend der kleinen Kinder herzzerreißend!
Wenn die Bundesregierung dafür jede Verantwortung und Hilfeleistung ablehnt, ist das nachweislich falsch.
Erstens ist das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei laut eines Gutachtens des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages ein klarer Rechtsverstoss, den Erdogan zur Erpressung nutzt.
Zweitens hat die Bundesregierung führend zur Verarmung Griechenlands beigetragen, so dass keine Infrastruktur zur Minderung des Elends mehr vorhanden ist.
Drittens tragen hemmungslose Rüstungsexporte und wirtschaftliche Knebelverträge zum Flüchtlingselend bei.
Bei allen drei Punkten hat die Bundesregierung eine Schlüsselfunktion.
Die Aufnahme von Kindern aus Moria ist absolut verpflichtend und ohne Probleme machbar!
f.d.R. Geert Platner (siehe Kommentare)

Sven Giegold MdEP, Erik Marquardt MdEP, Clara Anne Bünger und Ansgar Gilster

Auf den griechischen Inseln droht die Corona-Katastrophe. Wir fordern: Evakuierung JETZT!

15. März 2020 — 

Es ist ein absoluter Hilferuf: Angesichts der Corona-Pandemie fordert „Ärzte ohne Grenzen“ die sofortige Evakuierung der Flüchtlingslager auf den griechischen Inseln.

Bitte verbreitet dieses Update mit Link zu unserer gemeinsamen Petition: www.change.org/europasgrenze

Die entsetzlichen Lebensbedingungen in den heillos überfüllten Hotspots sind der “ideale Nährboden für COVID-19”, warnt die Hilfsorganisation. Ohne ausreichend Wasser, Seife, Desinfektionsmittel und Ärzte droht den mehr als 40.000 Menschen eine Corona-Katastrophe ohne jedes Notfall-Konzept. “Es grenzt an eine kriminelle Handlung, wenn nichts unternommen wird, um die Menschen zu schützen.” bringt es Ärzte Ohne Grenzen auf den Punkt.

Der Beschluss der Bundesregierung und das Verhandlungsergebnis auf europäischer Ebene sind von echter Hilfe weiter entfernt denn je: Nur 1600 Kinder europaweit aufnehmen zu wollen, ist angesichts der bereitstehenden Hilfsangebote, ein Skandal. Dieser Skandal droht angesichts der Corona-Krise jetzt zur krassesten Katastrophe mit vielen Toten zu werden. Und wir befürchten, dass die Katastrophe medial durch die allgemeine Corona-Berichterstattung vollständig überlagert wird.

Das darf nicht geschehen! Solidarität muss gerade jetzt allen Menschen gelten. Alle politisch Verantwortlichen können sich nicht ihre Hände in Unschuld waschen. Es muss unverzüglich gehandelt werden. Wir fordern daher für die Menschen in den Lagern auf den ägäischen Inseln: Evakuierung, Verteilung, Versorgung. JETZT!

Mehr als 92.000 Menschen haben bereits unsere Petition unterzeichnet. Das ist großartig! Lasst uns gemeinsam die symbolisch wichtige Zahl von 100.000 Unterschriften erreichen! Teilt daher weiter unsere Petition und fragt alle eure Freunde, mitzumachen!
Mit Dank für alle Unterstützung und europäischen Grüßen

Sven Giegold MdEP, Erik Marquardt MdEP, Clara Anne Bünger und Ansgar Gilster

Video zur Corona-Gefahr und zum fatalen Hygiene-Mangel im Lager Moria:

https://www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL2V1cm9wYW1hZ2F6aW4vZWY1MjlhM2EtNDI3NS00MjA4LTlmNGYtNTU5MDgyZjYxZGM4/eu-griechenland-die-fluechtlinge-von-moria

„Zelt-Pate/Patin“ werden für Geflüchtete auf Lesbos durch Spenden

 
Das neue Jahr 2020 hat begonnen, leider mit wenig Aussicht auf die Durchsetzung von Vernunft, Menschlichkeit und Frieden auf der Welt.

  Die griechische Insel Lesbos ist wie die Inseln Chios, Samos, Leros und Kos einer der sog. Hotspots in der Ost-Ägäis. Geflüchtete, mittlerweilen 42.000 auf den Inseln, werden dort nach ihrer Ankunft in Registrierzentren verbracht. Auf Lesbos ist es das Lager Moria. Es wurde vor Jahren gebaut für 2500 Personen. Innerhalb des letzten halben Jahres gibt es laut UN-Statistik einen sprunghaften Anstieg der dortigen Flüchtlingszahl von 6500 auf 19.000. Heute sind es bereits unvorstellbare 21.000 Menschen, darunter 40% Kinder und unbegleitete Jugendliche, die unter elendigsten Bedingungen und oft im Freien im Lager auf der kleinen Lesbos-Insel dahinvegetieren müssen.

Nicht anders ergeht es den tausenden Geflüchteten auf den Nachbarinseln in Türkei-Nähe. Die Menschen müssen auf den Hotspot-Inseln bleiben, während sie auf ihre Asylanhörung oder ihren Asylbescheid warten, die ihnen als Geflüchtete nach internationalem Recht zustehen. Die Behörden sind völlig überfordert. Viele leben dort unter diesen ungewissen Lebensumständen bis zu einem Jahr, manche auch länger, viele sind traumatisiert und ständig krank, besonders die jüngeren Kinder. Verzweiflung herrscht wegen der elenden Alltagssituation und der ungeklärten Zukunft, Suizidversuche auch bei Jugendlichen nehmen zu. Die EU hat ihre Grenzen weitgehend geschlossen, niemand weiß, wie es weitergeht.  

Mit unserem Berliner Verein ‚Respekt für Griechenland e.V.‘ sind wir nun seit 2015 auf Lesbos und und davor schon in Griechenland engagiert. Nach dem Jahreswechsel haben wir uns auf Grund der unbeschreiblich schlimmen Zustände im Flüchtlingslager Moria zu einer weiteren, neuen Unterstützungsaktion direkt vor Ort entschlossen, der „Zelt-Paten“-Aktion, finanziert allein durch erhoffte Spenden nach einem Startvorschuss durch den Verein.

Wer mithelfen möchte, kann für ein Zelt, einen Schlafsack oder Iso-Matten spenden für unbegleitete Kinder und Jugendliche oder eine Familie mit Kindern, die sonst viele Wochen oder Monate in Matsch und Kälte leben müssen ohne genügend medizinische Versorgung, hygienische sanitäre Einrichtungen und Bildungsmöglichkeiten für die Kinder.  

Angesichts dieser untragbaren Situation werde ich deshalb im Auftrag des Vereins wieder nach Griechenland reisen, die Hilfsmöglichkeiten mit bereits vor Ort auf den Inseln arbeitenden Initiativen besprechen und in Athen eine dem laufenden Spendenaufkommen entsprechende Anzahl  winterdichter Zelte, warme Schlafsäcke und Isomatten zur gezielten Weitergabe kaufen als Ersatz für Notunterkünfte aus Plastikplanen und Wellpappe. Das alles garantiert, dass jede Spende direkt vor Ort eingesetzt wird, sie verschwindet nicht in einem allgemeinen Spendentopf.  

Uns ist bewusst, dass unsere Hilfsmaßnahme angesichts der steigenden Zahl von Flüchtenden ein Tropfen auf den heißen Stein sein wird und wir damit Fluchtursachen nicht bekämpfen können, wie wir es von der Politik fordern. Aber ich denke, unser Bemühen, im Rahmen eigener Möglichkeiten die tägliche Not von Mitmenschen konkret zu lindern, ist für die Betroffenen hilfreicher als das alleinige Bedauern der Umstände aus der Ferne. Ab Mittwoch 29.Jan. werde ich in Athen und auf Lesbos sein. Der Rückkehrtermin ergibt sich aus den gegebenen Umständen.   Mit Dank für Euer/Ihr Interesse und für jede Hilfe,    

Claus Kittsteiner   Eine Bitte noch: Vielleicht hilft es, diese Nachricht an Freunde und Bekannte weiterzuleiten. Jedes einzelne Zelt, jeder Schlafsack und jede Isomatte lindert die tagtägliche Not unbegleiteter Kinder und Jugendlicher und von Familien mit Kindern.  

Die Spendenkontonummer speziell für die „Zelt-Paten/Patinnen“-Aktion:
GLS Bank, DE31 4306096711757746 05 BIC: GENO DE M 1 GLS Kto.-Inhaber: Respekt für Griechenland e.V.  (Für Spendenquittungen bitte die Briefadresse angeben)

Der Bericht aus Lesbos über die schlimme Lage dort und über den Verlauf der Zeltpaten-Aktion hier:

http://respekt-für-griechenland.de/?p=3326

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Zelte, Schlafsäcke und Schuhe für unbegleitete Jugendliche im Lager Moria.
Statt kleinem Igloo-Zelt nun ein hohes
5 Personen-Zelt für die junge Familie

Texte, Fotos und Links bisheriger Lesbos-Einsätze sind bei Interesse u.a. zu finden unter https://clauskittsteiner.wordpress.com/    

Genaueres zum schlimmen Zustand im Lager:
https://www.proasyl.de/news/albtraum-moria/    


Flüchtlingslager Moria/Lesbos
Ausdehnung im Februar 2020
Aufnahmekapazität 2500 Menschen.
Belegung im Februar 2020: 20.000 Asylsuchende,
zusammen mit weiteren Inseln 42.000 Asylsuchende
Luftaufnahme v. Claus Kittsteiner am 3.Februar 2020
Absorption capacity 2500 people.
Occupancy in February 2020: 20,000 asylum seekers,
together with other islands 42,000 asylum seekers
Aerial view: Claus Kittsteiner am 3.Februar 2020

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Die Situation auf Lesbos und den anderen Inseln in Türkei-Nähe änderte sich schlagartig am Tag vor meiner Rückkehr nach Deutschland am 28.Februar:

Gewaltszenen gegen Geflüchtete, gegen Volunteers, NGOs und internationale Journalisten häuften sich innerhalb einer Woche, das Schulzentrum von ‚One happy family‘ und eine UNHCR-Registrierungsstelle wurden niedergebrannt. Vollbesetzte Mietwagen von NGOs wurden schwer beschädigt.

Die lange überwiegend freundliche Stimmung auf der Insel war gekippt, konkret veranlasst durch den Athener Regierungsplan, auf den Inseln geschlossene Lager einzurichten, zusätzlich zu den vorhandenen. Die Reaktionen in der Bevölkerung waren heftig. Die Geflüchteten und ihre Helfer wurden von Rechtsradikalen körperlich bedroht und angegriffen. Die Flüchtlinge hörten nicht mehr ‚welcome‘, sondern ‚verschwindet‘, ‚kehrt um‘, ‚bleibt draußen‘. Nichts anderes signalisiert die EU. Griechenland als „Schutzschild von Europa“ wird nicht daran gehindert, bewaffnetes Militär und Polizei an der Außengrenze einzusetzen und das Asylrecht auszusetzen, ein klarer Verstoß gegen internationales Recht. All das stimmt inhaltlich mit den Zielen der griechischen „Sturmabteilungen“ (Tagma Efodou) und herangereisten rechtsradikalen ‚Patrioten‘ überein, man geht quasi arbeitsteilig vor.

Die Corona-Krise tat ein Übriges. Humanitäre Organisationen bereiten sich auf einen Ausbruch der Epidemie im syrischen Idlib und auf Lesbos vor. Viele notwendige Maßnahmen lassen sich aber gar nicht umsetzen. Auf den griechischen Inseln sind die Inselspitäler für die Versorgung der Lagerbewohner zuständig, bereits heute sind sie aber vollkommen überlastet. Auf Samos, wo das Lager unmittelbar an den Hauptort der Insel angrenzt, gibt es Gerüchte, dass die Geflüchteten in die neue geschlossene Containersiedlung im Hinterland zwangsumgesiedelt werden. Damit würde der Ansteckungskontakt zur Lokalbevölkerung eingeschränkt, so hofft man.

Auch anderswo in der EU will man die Lagerbewohner in Corona-Zeiten möglichst von sich fernhalten. Die Evakuation der 1600 unbegleiteten Minderjährigen auf den fünf Inseln, zu der sich Deutschland und einige andere Staaten bereit erklärt hatten, wurde vorerst auf Eis gelegt. Auch das Uno-Flüchtlingshilfswerk hat sein Umsiedlungsprogramm für Flüchtlinge vorübergehend eingestellt, und das trotz der Forderung von ‚Mediziner ohne Grenzen‘ und anderen Organisationen, die Lager in der Ägäis wegen der Corona-Gefahr rechtzeitig zu evakuieren.

Ab 23.3.20 herrscht weitgehende Ausgangssperre, in den Lagern und im Land.

Die internationalen Helfer*innen sind größtenteils abgereist, heißt es. Unser Team „Volunteers for Lesbos“ von ‚Respekt für Griechenland‘ will jedoch vor Ort bleiben. Aber niemand weiß, was demnächst sein wird.

Abschließend an alle, die an ‚Respekt für Griechenland‘ gespendet haben, ganz herzlichen Dank! Die Spenden wurden direkt zum Wohle all derer verwendet, die ich auf Lesbos mit unserer ‚Zeltpaten‘-Aktion entsprechend unserer Zielsetzung erreichen konnte.

Claus Kittsteiner   

Entfesselte Wut gegen freiwillige Helfer und ihre Fahrzeuge (Video) am Tag meiner Abreise von Lesbos.

Rechte Gewalttäter auf den Straßen von Lesbos. Ich blieb verschont.
Was sich vor den Augen der Polizei tat, zeigt diese Handyaufnahme:

https://youtu.be/wIhJKFbsmVA

Ebenso hier: Wut und Hass gegen Helfende und Journalisten auf Lesbos:

Nach dem brutalen Knüppelangriff auf ein mit HelferInnen besetztes Auto in den Straßen von Mytilini am 27.2.20:

Focus.de, 6.3.2020: „Perfide Pseudo-Grenzschützer: Deutsche Rechtsextreme reisen nach Griechenland
Chaos und Gewalt sind unter diesen Umständen vorprogrammiert. Auch Einheimische wollen die Migranten abwehren. Auf den griechischen Inseln werden ankommende Boote ins Meer zurückgedrängt und Straßen blockiert. Auf der Insel Lesbos haben sich bereits mehrere Hilfsorganisationen nach Angriffen auf Mitarbeiter zurückgezogen. Auch gegen Journalisten richtet sich die Gewalt. Unter den Gewalttätern sollen sich auch Rechtsradikale befinden.
Und nun reisen offenbar Rechtsextreme aus anderen EU-Ländern, auch aus Deutschland, an die türkisch-griechische Grenze, um Migranten beim Betreten von EU-Boden zu hindern.“

Als die deutschen und östereichischen Nazis mit griechischen Antifaschisten in Streit gerieten und sich prügelten, riefen die Faschisten „Wir werden das mit euch machen, was wir mit euch in Kalavrita getan haben!“ In Kalavryta ermordeten deutsche Soldaten am 13. Dezember 1943 438 Männer und Jungen – unschuldige Zivilisten. Siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Kalavryta Mittlerweile wurden die Nazis von den griechischen Behörden zur Ausreise aufgefordert.

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Brandanschläge

Während Berlin und die EU Athen bei der Abschottung der Grenze unterstützen, spitzt sich die Lage auf den griechischen Inseln, insbesondere auf Lesbos und auf Chios, immer weiter zu.

Dort sind die Flüchtlingslager um ein Mehrfaches überbelegt; auf Lesbos etwa, das insgesamt 85.000 Einwohner hat, vegetieren rund 20.000 Flüchtlinge in dem berüchtigten Lager Moria unter katastrophalen Lebensbedingungen dahin. Konflikte mit den Einwohnern eskalieren zunehmend, was wiederum ultrarechten Bürgerwehren Auftrieb verleiht. Auf Lesbos wurden zuletzt unter anderem eine zwischenzeitlich stillgelegte Erstaufnahmestelle des UNHCR und am Samstag ein Gemeinschaftszentrum einer Hilfsorganisation für Flüchtlinge in Brand gesteckt. Zunehmend werden inzwischen auch Flüchtlingshelfer sowie Journalisten bedroht. So wurden etwa drei Journalisten, die sich auf griechischer Seite der Grenze näherten, um über die Lage dort zu berichten, ohne Angabe von Gründen festgenommen und in eine gut 30 Kilometer entfernte Polizeistation verschleppt.

Inzwischen entwickeln sich die griechisch-türkische Grenze sowie die griechischen Inseln zu Magneten für die extreme Rechte. So trafen etwa vergangene Woche im Evrosgebiet sowie auf Lesbos eine Reihe extrem rechter deutscher Aktivisten ein.

Aus: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8210/
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„One Happy Family“ Center für Geflüchtete auf Lesbos –
ein Opfer nicht nur der Flammen!
7.März 2020


Vor dem Brandanschlag. Fotos: Claus Kittsteiner, Lesbos, 27.2.2020
„One happy Family Center“ für Geflüchtete auf Lesbos

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EU-Flüchtlingspolitik

Ein Ausbruch von Covid-19 in den Lagern kann zu einer der tödlichsten und schändlichsten humanitären Katastrophen dieses Jahrhunderts führen.“

Deutschland und die EU müssen jetzt handeln, um den „Massentod tausender hilfsbedürftiger Menschen“ zu verhindern.

Keine Genehmigung für Evakuierungsflug aus Lesbos –

Flüchtlingscamp Moria könnte zur Todesfalle werden

Video: https://www.tagesspiegel.de/politik/keine-genehmigung-fuer-evakuierungsflug-aus-lesbos-fluechtlingscamp-moria-koennte-zur-todesfalle-werden/25668494.html

(…) „Wenn die Menschen nicht von der Insel evakuiert werden, wird es in absehbarer Zeit zu einer Katastrophe kommen“, sagte Marquardt. Die hygienische Situation in Moria nennt der Grünen-Politiker, der sich seit rund drei Wochen auf Lesbos aufhält, „grausam“. In weiten Teilen des Lagers gebe es keine Toiletten, die Bewohner seien teilweise gezwungen, Windeln zu tragen. Allein deshalb seien viele Bewohner gesundheitlich geschwächt. „Unabhängig von der Altersstruktur gehören viele Menschen zur Risikogruppe, weil man sie in einer humanitären Notlage jahrelang zurückgelassen hat“, kritisierte Marquardt.

Die Informationskampagnen zum Coronavirus von Hilfsorganisationen in den Flüchtlingslagern zeugten deshalb auch von einer „gewissen Hilflosigkeit“, sagte Marquardt. „Es bringt nicht viel, nur Flyer zu verteilen, auf denen man Menschen Hygiene-Tipps gibt oder sie zur Quarantäne auffordert, wenn die Menschen überhaupt keinen Abstand voneinander halten können, weil sie eng aufeinandergedrängt in Zelten schlafen müssen.“ Das Krankenhaus auf der Insel sei bereits jetzt völlig überbelegt und auf eine größere Zahl von Corona-Erkrankten nicht vorbereitet.

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Michel Brandt sagte: „Wegen der miserablen hygienischen Zustände und der lückenhaften Versorgung mit Wasser in den griechischen Hotspots könnte ein Ausbruch von Covid-19 in den Lagern zu einer der tödlichsten und schändlichsten humanitären Katastrophen dieses Jahrhunderts führen.“

Deutschland und die EU müssten jetzt handeln, um den „Massentod tausender hilfsbedürftiger Menschen“ zu verhindern.

Dazu:

Corona und Waffen

Leserbrief von Claus Kittsteiner, 6.April 2020

Der flächendeckende Mangel an Beatmungsgeräten und anderen Medizinartikeln in der Corona-Situation macht wieder einmal die falsche Schwerpunktsetzung in Wirtschaftsentscheidungen sichtbar.

Auch wenn für die Stadtkassen allerorts der schmutzige Profit aus der Produktion von todbringenden Waffen für weltweite Kriege bislang lukrativer ist als aus der Herstellung von lebenserhaltenden Produkten: Was hindert eigentlich die Städte mit Rüstungsfirmen daran, ihr Steuereinkommen in Zukunft ethisch glaubhafter zu sichern? Wo bleibt ihr Appell an den Waffen produzierenden meist größten Steuerzahler der Städte, diese Gelegenheit zu nutzen, jetzt umzuschwenken von der Kriegswaffenproduktion auf die Herstellung von nur noch zivilen und nützlichen Gütern? Rüstungskonversion als Ziel. Vorteil für die Bevölkerung: Sinnvolle, weil dem Leben zugewandte Arbeitsplätze. Erziehungsaufgabe: Abkehr von einem rein militärisch orientierten Sicherheitsdenken und von der Sicherheits-Illusion durch Wettrüsten. Sicherheit neu denken!

https://www.suedkurier.de/

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Claus Kittsteiner, im Juni 2020   

Über Rassismus und die Ablehnung des ‚Fremden‘ als Türöffner zu Friedlosigkeit und Kriegen

Bauchgeprägtes Denken macht blind. Auch bei der Sicht auf Kriege und deren Ursachen und Verursacher. Die Quittung haben wir täglich vor Augen. Flüchtende Menschen u.a. aus den Kriegs- und Krisengebieten im Nahen und Mittleren Osten suchen Sicherheit, in vergleichsweise niedriger Zahl bei uns, in weit höherer Zahl in ihren Nachbarländern. Die Flüchtlinge selbst, nicht die Gründe ihrer Flucht sind bei uns oft Quelle des Unbehagens und Hauptgesprächsstoff. Lediglich über Symptome zu sprechen befreit vom tieferen Nachdenken über eigene Angstquellen wie z.B. ungewohnte Hautfarben und Religionen. Das/der Fremde als Bedrohung und Feind. Kaltherzigkeit als uneingestandener Antrieb. Sollen ‚Nächstenliebe‘ und die laut Grundgesetz unantastbare Würde des Menschen als Werte demnach nur innerhalb des eigenen abgezäunten Denk-Schrebergartens Gültigkeit haben?

Fremdenfeindliche Bewegungen finden zunehmend Zulauf in Europa. Eine heutige „alternative“ Partei in Deutschland ist Teil davon, nicht ohne eigenen Stolz darauf. Sie kommt insbesondere an bei Menschen, die aus der Geschichte nicht lernen wollen und sich bewusst weigern, Kriege und Fluchtbewegungen im zwangsläufig gegebenen Zusammenhang wahrzunehmen. Ihr Denkreflex beginnt beim Aspekt „Flüchtlinge“, nicht bei den Ursachen ihrer Flucht. Die historische Erfahrung „Wer Kriege sät, erntet Flüchtlinge“ gehört nicht zu ihren Überlegungen. Kriegswaffenexporte und eigenes verhaftet sein im allein militärisch geprägten Sicherheitsdenken werden nicht hinterfragt. So kann der schlummernd-simple Geist des sog. gesunden Volksempfindens mit dem ungleichen Menschenbild wieder aufblühen – heutzutage mit aktualisiertem Feindbild „Flüchtlinge“ und „Islam“.

Nationalismus, gefährlich, aber verharmlost als ‚gesundes Nationalgefühl‘ und ‚Patriotismus‘, blüht wieder auf. Eine neue, aber altbekannte politische Bewegung bietet ihm eine vorgestrige Heimat und macht im Kostüm einer bürgerlichen Partei wissend ihr großes Geschäft mit einfachen, unhinterfragten Denkmustern und alten und neuen Feindbildern. Die Ironie: Gäbe es keine Flüchtlinge mehr, wäre diese Ein-Punkt-Partei am Ende!  Sie braucht ein Feindbild als tragende Parteisubstanz. Die 30er Jahre lassen grüßen! Die Abläufe und die schlimmen Folgen sind aus der Geschichte bekannt.

Übrigens: Die Unterstellung, Führer- und Wählerschaft einer sich als „völkisch“-fremdenfeindlich und nationalistisch selbst propagierenden rechten Partei und ihrer außerparlamentarischen Basis und Ableger bestehe weitgehend aus Menschen mit mangelnder Schulbildung, greift historisch nicht. Die Geschichte lehrt uns: Unter den vielen Millionen völkischen Mitläufern als tragende Masse im NS-Staat und den Vollziehern des verbrecherischen „Lebensraumkrieges“ war der Anteil von schulisch gut Ausgebildeten und Akademikern unter den überzeugten Tätern bekanntlich groß, nicht nur in Hitlers SS-Truppen, wie es die NS-Quellen jener Zeit beweisen.

Was sagt uns das für heute angesichts der schlimmen Äußerungen bei öffentlichen Kundgebungen und mancher Bundestagsreden unserer Zeit? Rein formale Bildungsabschlüsse, Titel und Ämter sind selbst bei Parlamentsmitgliedern keine Garantie gegen zwischenmenschliche Abgestumpftheit und Rassismus, gegen Hassgefühle in Bauch und Hirn und kleingeistige Ausgrenzung von Mitmenschen auf Kosten der Menschenwürde. Als besserer Schutzschild gegen derartige menschliche Beschränktheit erweist sich menschliche Bildung! Menschliche innere Bildung und humanitäre Erziehung zu einer nicht nur von Toleranz, sondern von gegenseitigem Respekt geprägten uneingeschränkten Weltoffenheit und Menschlichkeit. Wenn sich zwei Menschen unterschiedlicher Hautfarbe begegnen und dabei ablehnende Impulse aufkommen, was ist dann falsch? Der Mensch mit der anderen Hautfarbe – oder der ablehnende Impuls im eigenen Kopf?

Ist es so schwer auf dieser Welt von Mensch zu Mitmensch solidarisch zu sein im Fühlen, Denken und im eigenen Tun? „Friede auf Erden und zwischen allen Menschen“ – Utopie oder Illusion?

Claus Kittsteiner, Historiker        c.k.info@gmx.de            

Gedenkveranstaltung am 15.3.2015 am Güterbahnhof von Thessaloniki.

Von hier wurden 1943 50.000 jüdische Mitbürger in die NS-Vernichtungslager deportiert.

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist img_2191.jpg.

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Migration

EU-Flüchtlingspolitik

Völkerrecht: „Lästiges Beiwerk“

Berlin und Brüssel unterstützen Athen bei völkerrechtswidrigen Maßnahmen an der EU-Außengrenze.

BERLIN/ATHEN (Eigener Bericht) – Deutschland und die EU unterstützen die völkerrechtswidrige Totalabriegelung der griechischen Außengrenze gegen Flüchtlinge und sabotieren Hilfsangebote für Flüchtlingskinder. Man werde „alle notwendigen Maßnahmen ergreifen“, um die EU-Grenzen „wirksam zu schützen“, heißt es in einer Erklärung der EU-Außenminister. Einer der Minister stuft den Einsatz von Gummigeschossen gegen einreisewillige Flüchtlinge als „verhältnismäßig“ ein. Zugleich lässt die Bundesregierung das Angebot von rund 140 deutschen Kommunen, bis zu 500 Kinder aus den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln in einer ersten Nothilfemaßnahme bei sich aufzunehmen, ins Leere laufen. Das Angebot erfolgt auch vor dem Hintergrund dramatisch eskalierender Spannungen auf Inseln wie Lesbos und Chios, wo es mittlerweile vermehrt zu Brandanschlägen auf Einrichtungen kommt, die von Flüchtlingen genutzt werden. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet will Griechenland mehr Frontex-Beamte als bisher zur Verfügung stellen und erklärt, die griechische Flüchtlingsabwehr sei „gerade im Interesse Deutschlands“.

Mehr Information zum Thema Griechenland, Geflüchtete etc. siehe bei https://griechenlandsoli.com/

Ankara, Athen und das gefährliche Spiel mit den Flüchtlingen

Nationalismus und Verschwörungstheorien, Fake News und Schuldzuweisungen: Griechenland und die Türkei missbrauchen die Zusammenstöße mit Flüchtlingen und Migranten im Grenzgebiet, um innenpolitisch zu punkten.

Türkei Flüchtlinge überqueren den Evros-Fluss, um Griechenland zu erreichen
Türkei Tränengaseinsatz gegen Flüchtlinge an der Grenze zu Griechenland (picture-alliance/AA/H. M. Sahin)

Bericht:

https://www.dw.com/de/ankara-athen-und-das-gef%C3%A4hrliche-spiel-mit-den-fl%C3%BCchtlingen-griechenland-t%C3%BCrkei/a-52640600

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Neue Beweise für illegale Abschiebungen von Griechenland in die Türkei

Neue Erkenntnisse legen nahe: Griechische Behörden deportieren illegal Flüchtlinge. Gemeinsam mit internationalen Rechercheteams sprach die DW mit Opfern. Von Florian Schmitz, Alexia Kalaitzi und Burcu Karakas.

Bericht:

https://www.dw.com/de/neue-beweise-f%C3%BCr-illegale-abschiebungen-von-griechenland-in-die-t%C3%BCrkei/a-53523933?maca=de-EMail-sharing

Neue Pushback-Aktionen (Corona, Teil II a)

Von Niels Kadritzke, Le Monde Diplomatique, 9. Mai 2020:
„In diesem Text beschäftige ich mich noch einmal ausschließlich mit der Flüchtlingsfrage, weshalb dieser Teil als Corona II a benannt wird. Darin werden ausführlich neuerliche Pushback-Aktionen der griechischen Küstenwache dokumentiert, die von … Weiterlesen →

„Warum Griechenland nicht Italien ist (Corona, Teil I)“

von Niels Kadritzke, le monde diplomatique, 13. April 2020: „Die Corona-Krise schlägt uns alle in Bann. Sie bestimmt die Prioritäten des eigenen Arbeitens und Nachdenkens, wie auch die Aufmerksamkeit für Probleme der näheren und weiteren Umgebung. Warum also noch über … Weiterlesen → |

„Das Virus und die Flüchtlinge (Corona, Teil II)“

UPD: Korrektur von Niels Kadritzke:Im Text über „Das Virus und die Flüchtlinge” (s.u.) muss ich eine Passage korrigieren. Einerseits bedaure ich meinen Fehler sehr und möchte mich dafür entschuldigen. Andererseits tue ich das in diesem Fall sehr gern. Denn die … Weiterlesen →

Gute BBC-Doku mit dem Thema: Corona-Gefahr im Lager Marakassa.   https://www.bbc.co.uk/programmes/m000jcsw

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Wichtige weiterführende Artikel zu all den hier aufgeführten Themen siehe regelmäßig bei

https://griechenlandsoli.com/

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Die griechische Blaupause

Menschenrechtsorganisationen warnen vor der Modellierung der EU-Asylpolitik nach dem Vorbild des neuen griechischen Asylgesetzes.

Das zum 1. Januar in Kraft getretene und im Mai leicht modifizierte Gesetz ermögliche es, über Asylgesuche binnen weniger Tage zu entscheiden und abgelehnte Antragsteller unverzüglich abzuschieben, urteilen der Greek Council for Refugees sowie die Hilfsorganisation Oxfam in einem gestern veröffentlichten Bericht. Dabei würden zwar zentrale Belange der Flüchtlinge systematisch missachtet; dennoch könne das Gesetz als Blaupause für die neue EU-Asylgesetzgebung gelten, wie sie unter deutscher Ratspräsidentschaft verabschiedet werden solle. In der Tat fordern deutsche Politiker eine schnelle Prüfung von Asylanträgen unmittelbar an den EU-Außengrenzen sowie die direkte Abschiebung abgelehnter Antragsteller. Während die Debatte anhält, werden neue Exzesse der griechischen Küstenwache bekannt, die unter anderem Flüchtlinge auf aufblasbaren Rettungsinseln aussetzt. Sie wird von deutschen Frontex-Beamten unterstützt.

Vollständiger Artikel siehe:

https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8324/